Warum nicht aus dem Sattel gehen und leichttraben?!

Why Not Get Off Your Rear and Post?!

©1995 Leslie Desmond Geschrieben und Fotos von Leslie DesmondVeröffentlicht im September 1995 in: The Trail Less Traveled
Übersetzung: Gabi Dold

Um beim Reiten das Anfängerniveau hinter dir zu lassen, musst du dich aus dem Sattel heben können und die rechte wie linke Diagonale kennen.

Am besten fängst du im Schritt an zu üben. So kannst du die Fähigkeit, in Balance und in der Mitte deines Pferdes zu reiten, deutlich verbessern. Über diese Übung kannst du außerdem noch lernen, wo die Füße deines Pferdes sind ( wichtig zu wissen, wenn man Drehungen, Galoppwechsel und Stops reiten will), und du  kannst dabei Kraft und Koordinationsfähigkeit  entwickeln. Hast du erst einmal eine Weile geübt, wirst du dich nach der dynamischen Hinterhand sehnen, die dir im Trab hilft,  aus dem Sattel in die Höhe zu kommen.  

Als Vorbereitung auf das Aufstehen solltest du zu aller erst das Gefühl für jeden einzelnen Huf bekommen, wenn er in einem 4 Takt auf dem Boden aufsetzt. Die Schulter deines Pferdes spiegelt die vier Grundbewegungen des entsprechenden Vorderhufes wieder. Wenn er 1) abfußt, und 2) den Fuß nach vorne bringt, wenn er 3)auf dem Boden aufsetzt und wenn er 4) das Pferd durch diese Schrittsequenz trägt. Entscheide dich für eine der beiden Schultern und versuche zeitgleich mit ihr zu gehen. Dabei musst du mit deinem inneren Oberschenkel nach oben und vorne abrollen, wenn der Huf den Boden verlässt, um nach vorne auszugreifen. Lass dein tieferes Bein so ruhig wie möglich, mit dem Absatz unterhalb deiner Hüfte.  Klemme deine Wade aber nicht an den Bauch des Pferdes. Nun hältst du diese Position bis der Huf wieder auf dem Boden aufsetzt. Jetzt darfst du dich entspannen, dich der Schwerkraft und dem Sattel hingeben. (dein Gewicht in den inneren und unteren Oberschenkel ablassen, nicht auf deinen Gesäßknochen oder deine H
osentaschen). Wiederhole diese Prozedur solange, bis du müde wirst, erhole dich für ein paar Schritte und versuch es dann wieder. Die meisten Menschen ermüden beim Aufstehen im Schritt recht schnell. Wenn es dir auch so geht, verzweifle nicht. Es sind nur wenige, die einen richtig kräftigen Unterbauch haben. Innere Oberschenkel und Gesäßmuskeln entwickeln sich durch optimalen Körpereinsatz im Leichttrab.  

Während du im Schritt das Aufstehen übst, setzt du dich ganz aufrecht in den Sattel und schaust vorwärts zu deinem Ziel. Achte auf deine Schulterhaltung und  vermeide eine übertrieben Hohlkreuzhaltung. So zu sitzen und dennoch nach unten zu schauen ist schwierig. Trotzdem musst du es am Anfang noch tun, um zu erkennen, wann die Schulter zum nächsten Schritt vorgreift. Konzentriere dich hauptsächlich darauf, zeitgleich mit der Bewegung deines Pferdes zu sein und fühle den Rhythmus seiner Hufe.  Deine Körperhaltung wird sich zunehmend verbessern.

da1d2c63ccJe besser jemand das Ende seiner Absätze unter seiner Hüfte platzieren kann, umso einfacher ist es für ihn, in jeder Gangart Balance zu halten. Falls sich der Reiter aus irgend einem Grund in die Steigbügel stellen muss, und seinen Körper so ausgerichtet hat, wird er mit größter Wahrscheinlichkeit nicht so schnell vor-oder zurückfallen. Dadurch wird er sein Pferd weniger erschrecken und ihm auch nicht ungewollt im Maul reißen, wodurch er es verunsichern oder sogar verletzen könnte.         
6420dfce4bHier ist das Reitergewicht zu weit nach vorne verlagert, weshalb das Bein nicht mehr in der richtigen Position ist. Das solltest du unbedingt vermeiden.       
82a8faef4fHier sieht man die Beine wie auf ein Armaturenbrett aufgestellt. Auch das ist nicht die gewünschte Beinposition. Vermeide auch das.             

Beachte: Reitanfänger und solche, die keine gute Balance haben und sportlich nicht so fit sind, sollten die folgende Übung, entweder an der Longe oder geführt, machen. Das Pferd geht im Schritt. Wenn du dich nun im Rhythmus jeder Schulter hinsetzen und erheben kannst, indem du den Zeitpunkt fühlst, lässt du abwechselnd alle paar Schritte, die Steigbügel fallen.  Dadurch solltest  du dich immer mehr auf deine Beine, anstatt deine Steigbügel verlassen. Eines Tages wirst du dich erheben und setzen können, ohne deine Bügel zu gebrauchen und ohne übermäßige Anstrengung. Wenn du dich entschließt, es nun mit den Zügeln zu probieren, musst du darauf achten, dich  nicht an ihnen aus dem Sattel zu ziehen, weil du dann auch am Maul deines Pferdes ziehen würdest. 

" Sich am Maul hochzuziehen" ist eine Sünde, die man oft beobachten kann und eine wirklich ruinöse Angewohnheit. Es beraubt das Pferd um sein Gefühl in seinem sensiblen Mund. Das zieht den falschen Gebrauch der Reiterbeine nach sich, was wiederum zum Abstumpfen führt. Das frustriert den Reitanfänger, ruft Unsicherheit im Sattel hervor. Dadurch ist kaum Balance vorhanden, bringt harte Hände mit sich und die Tendenz nach unten zu schauen. Jetzt stellen sich Misserfolge ein, der Reiter gibt immer schneller auf und er beginnt, dem Pferd die Schuld für den miserablen Ritt  zuzuschieben. Um all diese Probleme zu vermeiden, musst du das Maul des Pferdes in Ruhe lassen. 

Wenn das Pferd den Schritt im 2-Takt der Vorderbeine beschleunigt, um anzutraben, beschleunigt es auch seine Hinterbeine, bis diese aufholen, um dann mit den Vorderbeinen zusammen in diagonaler Fußfolge einen 2er Rhythmus zu ergeben. Das linke Hinterbein berührt zeitgleich mit dem rechten Vorderbein den Boden und das rechte Hinterbein bewegt sich synchron  mit dem linken Vorderbein. 

Die Diagonalen beziehen sich darauf, dass ein Vorderbein mit einem diagonal gegenüberliegenden Hinterbein eine synchrone Verbindung eingeht. So spricht man von der linken Diagonalen, wenn sich der linke Vorderfuß zeitgleich mit dem rechten Hinterfuß bewegt. Umgekehrt bewegen sich auf der rechten Diagonalen das rechte Vorderbein mit den linken Hinterbein zeitgleich.

Wenn du auf einem Zirkel oder einer Wendung leicht trabst, musst du beim Aufstehen und Sitzen in den Bewegungsrhythmus der äußeren Schulter und des inneren Hinterbeins kommen. Erklärung: Auf einem Linkszirkel würdest du also auf der rechten Diagonalen aufstehen, und auf einem Rechtszirkel hast du die optimale Balance, wenn du auf der linken Diagonalen aus dem Sattel kommst. Musst du die Diagonalen wechseln, weil du die Richtung änderst, sitzt du einen Takt länger und beginnst dann wieder mit der neuen äußeren Schulter und dem inneren Hinterbein  aufzustehen. 

Viel Glück und Spaß beim Üben. Wenn du das Leichttraben erst einmal gelernt hast, wirst du froh sein, dass du dir die Zeit genommen und dir die Mühe gemacht hast.

Was ist Leichttraben...?

Leichttraben ist, deinen Körper gut ausgerichtet zu haben (Absatz, Hüfte, Schulter, Ohr), während du auf deinem inneren Oberschenkel nach vorne hoch aus dem Sattel rollst. Dabei bist du zeitlich auf eines der diagonalen Beinpaare abgestimmt, wenn dieses während des Trabs nach vorne ausgreift. Nimm ruhig einen Großteil deines Gewichts nach oben und ein paar Zoll nach vorne aus dem Sattel, bevor du dich wieder setzt, wenn die Hufe den Boden wieder berühren. Lass dich hierzu ganz sanft auf deine Oberschenkel und deinen Sitz ab. Beim Auf- und Absitzen nimmst du nur soviel Gewicht in den Steigbügel, dass dieser fest unter dem breitesten Teil deines Fußes bleibt. Halte die Bügel gleichmäßig und fest an ihrem Platz und übe bis sie  ganz ruhig sind. Wenn du es schaffst, dein längeres, tieferes Bein und Fuß ruhig zu halten, besteht die Aussicht, dass du auch eine leichte, unabhängige Zügelhand entwickelt hast. Das ist einganz wesentlicher Teil von gutem Horsemanship.

Was Leichttraben nicht ist...!

Leichttraben ist nicht, die Fußknöchel und Kniegelenke zu biegen, um dann mit dem ganzen Gewicht auf den Zehen im Steigbügel, aufzustehen. So zu reiten wirkt, und ist plump und das Einsitzen ist schwerfällig. Das Ganze ist gekennzeichnet durch schlottrige, offene Knie, wenn die Füße nach vorne auf´s Armaturenbrett schwingen. Es gibt sensible Pferde, die so etwas nicht aushalten und bocken. Der Gegensatz hierzu, was noch vor Jahren gelehrt wurde (mir wurde es so beigebracht und auch ich habe es weitergegeben), ist, mit den Knien zu klammern. Es ist wirklich ein veralteter Ratschlag. Das Klammern hilft nicht einmal in einer Notlage, da es an sich schon eine Notlage ist. Es führt nämlich dazu, dass der Atem angehalten und die tiefen Rückenmuskeln festgehalten werden. Der Reiter bekommt dadurch die Tendenz, nach vorne zu neigen und beim Reiten auf den Boden zu schauen. Werden die Kniegelenke zu sehr an den Sattel gepresst, kann sich dadurch die klare Kommunikation, die zwischen Reiter und Pferd eigentlich angestrebt wird, eintrüben. Korrekte Körperausrichtung im Sattel wird dadurch gänzlich unmöglich.