18February2020

Eine gute Einwirkung auf das Pferd ist wichtig.

Translation 1603 - Components of effective Horsemanship

Autor: Leslie Desmond
Übersetzung: Reinhold Gössling

Heute Morgen erinnerte ich mich daran, was Bill von einer Frau gelernt hatte, die im Osten der USA Reitunterricht an der Englisch Akademie gab. Sie überwachten beide eine Herde Rinder auf der Tularcitos Ranch, als dieser Frau auffiel, wie Bill im Sattel saß und Bill viel ebenfalls auf wie sie im Sattel saß. Beide saßen sehr unterschiedlich. Keiner der Sitze war besser und keiner hatte einen Vorteil gegenüber dem andern, womit gemeint ist, daß ihre Haltung es ihr nicht ermöglichte mit Rindern umzugehen oder ein Wildpferd zu reiten so wie es Bill konnte. Andererseits aber war es für Bill mit seiner Haltung nicht möglich, in einen leichten Sitz zu gehen, um über einen Graben oder eine Hecke zu springen, oder auf elegante Art sein Pferd anzuhalten oder zu wenden. Dieser Sache wurde sich Bill auf einmal bewußt.

Nachdem Bill seine Beobachtungen und Erfahrungen geprüft hatte, machte er sich ihre Anregungen zu eigen und wie er selbst erklärt, sah er schon bald Verbesserungen bei seinem Pferd und bei dem Umgang mit seinem Pferd.

Zwei wichtige Dinge machte er jetzt anders, um seinen Rücken gerade zu richten:

Er richtete seinen Blick auf und sah nach vorne und er brachte seine Beine und Füße direkt unter seinen Körper.

Was geschah, wenn er seinen Blick aufrecht nach vorne richtete, weg vom Boden, weg von seinen Händen und dem Genick des Pferdes? Seine Schultern hoben sich und wurden zurückgenommen, sein Brustkorb weitete sich und sein Becken kam leicht nach vorne. Das wiederum bewirkte, daß seine Beine und Füße gerade unter seinen Körper kamen. Indem er das machte, wurde die Vorhand seines Pferdes freier in der Bewegung. Sein Unterschenkel und seine Stiefel blockierten nicht mehr die Schulter des Pferdes und er saß nicht mehr schwer auf der Vorhand. In kürzester Zeit wurde ihm klar, wie man besser reiten kann durch gefühlvollen und feinen Gebrauch der Schenkelhilfen.

z.B.: Wiederhole den Druck ein wenig, um dein Pferd aufzufordern vor zu gehen, anzuhalten oder zu wenden. Schließe die Schenkel ein wenig, um die Schulter vorne oder die Hüfte hinten seitlich zu führen oder anzuhalten, eine Vorhand zu heben oder anzuhalten oder seitlich zu stellen. Richtig, das klingt total verwirrend. Ich gebe auch zu, es ist wesentlich leichter das Ganze zu beobachten und zu verstehen, als das Ganze zu lesen und sich vorzustellen was gemeint ist. Es genügt wohl, wenn ich im Augenblick sage, das Alles widerspricht sich nicht. Erinnern wir uns, er erwähnt, daß er einen schnellen Galopp starten konnte, nur indem er seine Zehen in seinen Stiefeln anspannte und er aus vollem Tempo scharfe Wendungen reiten konnte indem er eine solche Wendung nur beabsichtigte. (Das ist Übertragung eines feinen direkten Gefühls)

Wenn diese Aufgaben der Beine klar und deutlich sind für den Reiter und sein Pferd, dann haben die Hände eine ganze Menge weniger zu tun, um das Pferd zu formen und seine Beine zu dirigieren. Hinzu kommt, daß die Zügel weniger dafür gebraucht werden, das Pferd im Gleichgewicht zu halten, weil die Beine des Reiters sich da befinden, wo sie das übernehmen können, wenn der Reiterrücken gerade ist und die Fersen gerade unter der Hüfte sind.... Es muß genau so sein, als ob wir auf dem Boden im Gleichgewicht stehen oder Hocken. Fersen unter die Hüfte, Brust über die Hüfte, Schultern ausgerichtet über beides, den Rücken gerade und eine freie, von der Balance des Reiters unabhängige Hand für einfühlsame Hilfen. Wenn einige Cowboys sich in den Sattel stellen um ein Lasso zu werfen, oder aus irgend einem anderen Grund sich in die Bügel stellen, habe ich meistens beobachtet, daß der Steigbügel mit dem Fuß und dem Unterschenkel 20-50 cm nach hinten verrutscht in Richtung Pferdeflanke. Es ist unmöglich für sie, diese aufgerichtete Position beizubehalten ohne sich am Pferdemaul auszubalancieren. Es gab eine Zeit, als Bill das so machte und er gebrauchte lange Zeit, bis er sich dieser seltsamen Dinge bewußt wurde die er bei der Rinderarbeit machte. Er veränderte seinen Sitz, um endlich zu seiner Art zu finden, wie man auf einem Pferd sitzt.

Wenn unsere Füße durch die Steigbügel nach vorne stoßen und schwer in den Bügeln hängen, dann verlieren wir unser Gleichgewicht und verlieren die Bügel. Die ersten Reiter waren meist auch Krieger und sie ritten zunächst einmal alle ohne Sattel und Bügel. Die ersten Bügel waren nur eine Hilfe um aufzusteigen. (Sie heißen daher nicht ohne Grund Steigbügel und nicht Reitbügel.) Heute können die meisten Reiter nicht mehr ohne Bügel reiten. Ihr Gleichgewicht ist einfach nicht gut genug. Ihre Bauch-, Oberschenkel-, Gesäß- und Rückenmuskeln sind nicht genug entwickelt. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Nur wenige Menschen bringen es anderen bei wie man im Gleichgewicht reitet. Es ist eine Fähigkeit, die fast verloren gegangen ist.

Auf dieser Liste sind einige Erwachsene die schon über 40 sind und damit angefangen haben, auf blankem Pferd zu reiten. Wenn jemand interessiert ist das zu tun, empfiehlt es sich zunächst, daß man zwar einen Sattel benutzt, aber keine Bügel. Ein Englischer Sattel oder eine Satteldecke sind gut geeignet. Aber man sollte erst die Bügel und dann beides (Bügel und Sattel) weglassen. Der Westernsattel bietet ähnliche Möglichkeiten. Einige werden jedoch das fehlende Sattelhorn als Sicherheit zunächst vermissen. Menschen neigen dazu, gerade dann an ihrem Leben zu hängen, wenn sie es wegwerfen. Sieh nur die 3 Fotos auf der Titelseite des Buches von dem Kerl der völlig aus der Kontrolle geraten ist auf seinem Pferd. Er hebelt sich selbst aus dem Sattel indem er an den Zügeln zieht. So kann man es auch machen, wenn man sich am Sattelhorn festhält. Wenn man den Oberkörper aus dem Sitz nach vorne zieht, dann hebt man den Schwerpunkt im Schulterbereich vor das Gesäß und verliert die Verbindung und die Balance zu den Beweungen des Pferdes. In so einem Augenblick schwebt der Reiter über dem Pferd wie ein Koffer auf dem Dachfirst. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis das dich die Fliehkraft zusammen mit dem Tempo auf den Boden befördert.

Wenn das Gleichgewicht verloren ist, ist es daher immer besser nach oben zu schauen als nach unten. Schau auf irgend einen Punkt nach oben und verliere ihn nicht aus den Augen. Das schon alleine reicht in den meisten Fällen aus, damit du oben bleibst. Warum ist das so? Weil das den Rücken gerade aufrichtet, den Brustkorb weitet und das Becken hoch kippt und leicht nach vorne schiebt. Damit haben deine Beine eine bessere Möglichkeit unter deinen Körper zukommen, genau dorthin, wo du deinen Bügel wiederfinden kannst, wenn du ihn verloren hast. Bleibe im Gleichgewicht, denn wenn du das Sattelhorn oder den Hinterzwiesel mit einer Hand erfassen willst, oder den Sicherheitsriemen an deinem Englischsattel, wirst du nicht vermeiden können, dein Pferd durch einen Ruck im Maul in Panik zu versetzen.

Zurück zu den Menschen, die es angefangen haben ohne Sattel und Bügel zu reiten. Alle diese Reiter sagten mir, daß sich ihre Geschicklichkeit im Sattel wesentlich verbessert hat. Sie fühlen sich auf dem Pferderücken sicherer, da sie unabhängig geworden sind von Zügeln und Steigbügeln. Eine Frau aus Norwegen fing vor zwei Jahren damit an, als ihre Stute durch einen schlecht sitzenden Sattel fast ruiniert war. Ein Mann hinten im Osten der USA wünschte sich einen besseren Sitz im Gleichgewicht ohne das Pferd zu stören. Er eignete sich im letzten Jahr an, auf blankem Pferd zu reiten und machte es sich zur Gewohnheit. Er berichtet von großen Fortschritten seiner Balance zu Pferde, und daß er sein Vertrauen verbessert hat sowie sein allgemeines Wahrnehmungsvermögen, und so letztendlich die Verständigung mit seinem Pferd wesentlich besser wurde.

Was sie alle im allgemeinen gemacht hatten, sie ritten vorher ihre Pferde nicht im Gleichgewicht, noch konnten sie auf dem Pferd sitzen ohne zuviel Gewicht in beide Steigbügel zu geben und sich an den Zügeln festzuhalten. Ich sah sie beide, die Frau und auch den Mann, auf diese nicht gerade schöne Art reiten. Es ist eine Art zu reiten mit Angst ums Überleben, ohne eine Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Aber diese Dinge gehören zusammen und im günstigsten Fall führt die Angst ums Überleben sogar zu einer guten Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Was mir aber an diesen beiden Reitern gefiel, war die Tatsache, daß sie ihre eigene Rolle in den Problemen ihrer Pferde wiederfanden und somit ihre reiterlichen Fähigkeiten überprüften. Genau so wie Bill es tat, so machten sie es selbst auf ihre Art. Sie nahmen keine Longenstunden, dafür war keine Gelegenheit und kein Platz. Sie hatten keinen Trainer. Aber sie hatten einen Wunsch und ein Verlangen und sie nutzten ihre Chance. Sie haben es ausprobiert mit ihrem Pferd und fanden es gut für sich. Wenn du das Glück hast einen Trainer zu haben der hilft, oder einen Freund, der dein Pferd longiert oder führt, dann nutze die Gelegenheit um dein Vertrauen und dein Gefühl der Sicherheit auf deinem Pferd zu verbessern. Du wirst schon bald deine Beine strecken, deinen Sitz ausbalancieren und deine Hände frei und unabhängig vom Sitz tragen.

Danke Barbara, für diesen bescheidenen, freundlichen und hoffnungsvollen Bericht. Er war erfrischend, aufrichtig und anregend.

Mit freundlichen Grüßen

Leslie Desmond