19November2019

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Ein großartiger Pferdemann, ein Künstler mit dem Lasso und ein engagierter Handwerker in der Bearbeitung von Rohhaut.

Master Horseman, Roping Artist and Dedicated Braider of Rawhide

Geschrieben und Fotos von Leslie Desmond,
veröffentlicht in der Märzausgabe 1997 von „Ranch and Country Magazine.“

In seinem Buch „Der richtige Umgang mit Pferden durch Gefühl,“ beschreiben Bill Dorrance (geboren am 19. Januar 1906 und gestorben am 20. Juli 1999) und Leslie Desmond viele anregende und interessante Erkenntnisse im Umgang mit Pferden. Die beiden erklären im Einzelnen wie Bill Dorrance zu seinen Erkenntnissen kam und wie er sie mitteilt. Bill setzt dabei vor allem auf die menschliche Kapazität zu beobachten, diese Beobachtungen zu reflektieren um sie dann dem Pferd auf eine möglichst klare, verständliche Art und Weise mitzuteilen.

Das Fernsehmagazin Westernhorsemen TV interviewte Bill Dorrance und berichtete: “Er ist ein Mann, der eng mit seinem Land verbunden ist und so ist er auch ein großer Künstler in der traditionellen Bearbeitung von roher Haut zu Reata, Zügeln, Kopfstücke, usw.“ Wesernhorsemen TV porträtierte ihn, so wie Bill Dorrance wirklich ist: Ein Mensch mit klaren Gedanken über Ursache und Wirkung, ein Mann von großer Bescheidenheit, mit bewundernswerter Reaktion und geschickten Händen für Ranch Roping und das Flechten der Rohhaut. Bill Dorrance übermittelt neue Erkenntnisse zu den Gedanken über die „menschlichen Möglichkeiten.“

Auch mit über 90 Jahren vermittelt Bill Dorrance eine sanfte Ausstrahlung und eine Lebensharmonie die ihn seit seiner Kindheit begleitet: ‚Es gibt keinen Unterschied zu dem, wie ich bisher gelebt habe und was ich heute tue.“ Offen berichtet er über die reichhaltigen Erkenntnisse seines Lebens und läßt dabei immer wieder spüren, daß er sich seinen unerschütterlichen, feinsinnigen Optimismus erhalten hat – vor allem bei seinen Gedanken über andere Menschen. Bill glaubt fest an die Möglichkeiten, in anderen Menschen das zu verewigen, was er für wertvoll hält, nämlich seine Art mit den Dingen umzugehen. Bei einer Diskussion über Pferde und Ranch Roping kennt sein Einfallsreichtum und seine Phantasie keine Grenzen.

Es überraschte nicht, daß dieser Bericht im Fernsehmagazin Wesernhorsemen TV großes Interesse fand, viele Zuschauer Anfragen schickten und auch baten, Bills Wissen im Internet zu publizieren. Bei dieser Gelegenheit lernten viele Pferdeliebhaber Bills außergewöhnliche Gabe kennen, als er ihnen seine Ideen und Erfahrungen mitteilte, wie Menschen besser mit ihren Pferden umgehen können.

Die Menschen finden seine Logik und seinen geraden Weg im Umgang mit Pferden regelrecht erfrischend. „Immer schon mochte ich Pferde und immer schon wollte ich den Pferden helfen, ihre Arbeit besser und leichter zu machen, was auch immer sie für uns Menschen tun,“ sagte er. Ist es Bills großmütige Denkweise, weshalb die Menschen ihn mögen, wo auch immer sie ihm begegnen? Könnte es sein, daß seine freundliche Art zu den Pferden und ihren Besitzern es ist, die eine riesige Welle an Interesse auf diesem Gebiet in Gang setzte? Zahlreiche Artikel über Bill Dorrance in diversen Pferdejournalen zeigen, daß es die Erkenntnis seiner Lehre ist, die ihm bedeutende Anerkennung und einen ungewöhnlichen Platz in der Reiterwelt einräumt.

Es fing alles ganz einfach an

Die Pioniere fingen gerade damit an, die Weite des Nord Westen zu erschließen, als Bill Dorrance auf einem kleinen Anwesen in der Nähe von Enterprise im Bundesstaat Oregon geboren wurde. Das war am 19. Januar 1906. In diesem Gebiet fuhr die Eisenbahn erst seit einigen Jahren und die Traktoren und Autos hatten die Pferde noch nicht ersetzt. Viele der Annehmlichkeiten, die unser heutiges Leben so einfach machen, waren noch unbekannt: Frisches Wasser für die zehnköpfige Familie wurde in Fässern von einem Kilometer weit entfernten Brunnen herangeschafft, sobald die Wasserleitung im Winter zugefroren war. Um zur Schule zu kommen, ritten Bill und seine sieben Geschwister (Zwillinge und Drillinge) die drei Kilometer zu Pferde. Laut Bill war der Handschlag seines Vaters bindend und das Wort seiner Mutter unumstößlich.

Bill kommt aus einer richtigen „Pferdefamilie“. Sein Vater William „Church“ Dorrance gründete die Farm um das Jahr 1880. Er begann mit einem Gespann von nur zwei Pferden und wirtschaftete sein Anwesen auf 150 Pferde empor, die er entweder für die Arbeit auf seiner Farm einsetzte oder auch weiterverkaufte. Die Kirche und seine Frau Minnie waren William sehr wichtig und gaben ihm einen Sinn von Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit. Ein Einfluß, der auch in der Familie von Bill und seiner Frau Marie in Salinas, Kalifornien, zu spüren ist.

Heute lebt Bill in der Familie seines Sohnes Steve. Seine beiden anderen Söhne Billy und Dave leben auf der Dorrance Ranch zwischen Hollister und Gilroy. Irgendwie erinnert das Leben in Californien immer wieder an die Art und Weise wie schon die Dorrance in Oregon lebten. Heute, genau so wie früher, halten sie ihre Rinder auf der Ranch in den Bergen und ernten das Heu im Tal.

Geschichten von Bills Leben als Rancher und als Rohhautflechter sind in zwei großen Sammelauflagen erschienen, in „El Buckaroo“ (Northland Graphics, 1995) von Ernest Morris und in „Stimmen und Visionen des amerikanischen Westens“ (Texas Monthly Pres, inc. 1986) von Barney Nelson. Stücke seiner selbstgemachten Arbeitsgeräte aus Rohhaut und Stücke, die er für Museen gemacht hat, sind in einem Buch abgebildet, das die, die mit Rohhaut arbeiten, für die Bibel der Flechtkunst halten. „Wie flechte ich Geschirr für Pferde und wie mache ich ein Lasso aus roher Haut.“ von Robert L. Woolery aus Salinas, Californien, erschienen bei Cornell Maritime Press, Inc. 1985, ist von einem seiner besten Schüler geschrieben worden.

Im Laufe seiner Kariere als Rohhautflechter – sie fing 1933 an - hat Bill aus Rohhaut 35 Paar Hobbles (Fußfesseln für Pferde) gemacht, 30 Hackamores, 20 und mehr Zügel, einige hundert Hondas (Ösen für das Lasso) und 67 Reatas (geflochtenes Lasso aus Rohhaut) in einer Länge zwischen 18 m und 23 m. Im Augenblick bereitet Bill wieder 2 Rinderhäute vor, um erneut Zügel zu flechten, die dann auf seiner Ranch benutzt werden können. Außerdem macht er jetzt nicht nur sein geflochtenes Lasso, seine Reata selbst, er unterweist auch andere Cowboys in der Kunst, ihr Handwerkszeug aus roher Haut selbst herzustellen. Schüler wie Bryan Neubert oder Randy Riem sind nicht nur bekannte Pferdemänner sondern auch wahre Künstler in diesem Fach. Und natürlich findet Bill in der eignen Familie begabte Talente, wie seinen 12 Jahre alten Enkelsohn Drew Dorrance. Er zeigt großes Interesse an der Kunst des Lassowerfens und verspricht ein herausragender Pferdemann und Rohhautflechter zu werden.

bill 01Bill schabt das Fett von einer frischen Haut, die in einen Rahmen gespannt ist, damit später nicht zu viel Geschmier auf der Innenseite der Haut ist, wenn sie trocknet.         
bill 02Ein Messer, um die Hautstreifen für die Herstellung einer Reata dünner zu machen. Bills jünger Bruder Fred hat es 1933 selbst gemacht.       
bill 03Alles ist fertig um eine Reate zu flechten. Die Hautstreifen sind zu sogenannten Tamales gebündelt. So ist es beim Flechten einfacher, diese große Menge an Streifen richtig zu verarbeiten. Da sind jedesmal 27 m Hautstreifen in jedem Bündel und man braucht 4 solcher Bündel, um eine Reate von ca 20 m zu flechten.         
bill 05Hier wird eine Honda (Lassoöse) aus 4 Hautstreifen geflochten. Eine Honda kommt an das Ende des Lassos damit man ein Schlinge machen kann. Bills Bruder Fred, hat es Bill erklärt, wie man das macht und Bill hat es seit dem letzten Krieg einem halben Dutzend anderen Leuten erklärt.       
bill 04Hier sind 2Honda aufgespannt. Die Spanner bestehen aus verschieden großen Keilen, die leicht eingedrückt werden, während die Haut noch feucht ist. So kommt die Honda durch Trocknen in die gewünschte Form.       
bill 06Dies ist eine Reate, fertig zum Gebrauch. Bill hat sie in den frühen 70ern selbst gemacht. Auch seine Zügel hat er selbst angefertigt. Das Haarbüschel, das im Ansatz des Widerristes hochsteht, zeigt den Ausbildungsstand des Pferdes an. Dieses Pferd z.B. ist auf Reithalfter ausgebildet. Zügel und hobbles (Huffesseln) die von Bill und Fred gemacht wurden und in der privaten Sammlung der     
bill 07Zügel und hobbles (Huffesseln) die von Bill und Fred gemacht wurden und in der privaten Sammlung der Dorrance gezeigt werden.         
bill 09„Ich habe immer Zeit um mit Leuten über Pferde und über die Lossoarbeit zu sprechen. Es sieht nicht so aus, als ob es noch viele Menschen gibt, die über die Flechtkunst mit Rohhaut sprechen wollen, aber man weiß nie, wer möglicherweise doch daran interessiert ist, seine eigene Ausrüstung für sein Pferd zu machen. Daher bin ich immer wieder froh, mit andern zu teilen, was ich selbst gelernt habe. Wenn wir einmal sterben, dann ist es ein besonders gutes Gefühl, wenn man etwas zurück lassen kann, das anderen nützlich ist.“ - Bill Dorrance    

Bill ist hoch geachtet, was auch an seiner Vitalität und seiner Treue zu den Werten und Gewohnheiten der alten Vaquero Tradition liegt. Er nimmt die Pflege der Pferde sehr genau und er holt – trotz des hohen Alters und der schon etwas gebrechlichen Statur - immer selbst sein Pferd von der Koppel. Er packt seine eigenen Satteltaschen und hält seine klassische Ausrüstung in Stand mit der Eleganz, wie es in den frühen Jahren in Kalifornien üblich war. Bill sagt: “Mein Pferd und der Umgang mit Pferden bereitet mir die größte Freude.“

Auch seine Unabhängigkeit im hohen Alter ruft Bewunderung hervor. Er kocht sich täglich drei Mahlzeiten: Eine sorgfältig zubereitete Suppe, Bohnen und Gulasch, serviert mit gegrilltem Rindfleisch oder Wild. Er erntet 500 kg frisches Obst jeden Sommer, er wäscht und trocknet seine Wäsche, er holt das Holz für den Herd und den Ofen und bringt die Asche wieder raus. Täglich macht er seine genauen Aufzeichnungen. Um Besucher am Eingangstor zu begrüßen, fährt er jedesmal 2 Meilen eine gewundene Straße runter und begleitet sie wieder hinauf zum Haupthaus. Wenn ein Besucher sich nicht traut den steilen Grad mit seinem Pferd und seiner eigenen Ausrüstung hinauf zu klettern, dann läßt Bill das Pferd unten abpacken und am Geländewagen angebunden hinauf führen.

Oder ist es einfach nur seine Tugendhaftigkeit, die sein großes Ansehen ausmacht? Egal wie lange man Bill besucht, man wird nie auch nur ein bißchen Klatsch und Tratsch hören oder negative Bemerkungen. Erlebnisse und Ereignisse ja, aber niemals würde er sich über irgend jemanden oder über irgend etwas beklagen. Er erzählt Episoden und Erlebnisse aus dem bunten Leben, von der Ranch, aus der Sattlerei und dem Landhandel. Von der kanadischen Grenze bis runter nach Mexiko sind Bills Kurse für Lassoarbeit unter den Pferdeleuten in Amerika so bekannt wie unter den Deutschen das Oktoberfest in München.

Aber wer kann es wirklich sagen, warum die Menschen Bill so schätzen und mögen? Was auch immer der Grund ist, Bill Dorrance ist bei vielen Lehrern bewundert und anerkannt, die heute weit bekannter sind als Bill selbst. Was auch immer man lernen will, Lassoarbeit, Reiten, Pferdeausbildung, Flechtarbeit mit Rohhaut, Bill ist immer der unermüdliche Lehrer für Anfänger wie „er es ist“ und er will immer ein ehrlicher Freund für die Pferde sein.

Seine Begeisterung für das Ranchleben regt jene an, die ihn kennen, aber es animiert auch jene, die ihn nicht kennen. Wenn an die Zahl der Anrufe, Besuche und Briefe kennt, die er von Leuten bekommt, die um Hilfe für ihre Pferde bitten, dann verwundert es nicht, daß er sich entschloß ein Buch zu schreiben. „Der richtige Umgang mit Pferden durch Gefühl.“ ist im Juni 1999 erstmals veröffentlicht worden und ist in Amerika bereits in der 2. Auflage im Handel.

Bill, wir gratulieren!

Die Western Heritage Award 2000 wurde bei dem Texas Cowboy and Poetry Treffen an Bill Dorrance übergeben. Dieses Treffen fand in der letzten Woche statt in dem Museum Big Bend an der Universität von Alpina/Texas.

Diese Ehrung wird jedes Jahr an Personen gegeben, die für die „Erhaltung der Ursprünge in der Westernkultur“ etwas Großes geleistet haben.

Copyright: Leslie Desmond