19November2019

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Aufsitzen

Mounting Blocks to Mounting

Geschrieben und Fotos: Leslie Desmond
Published in the April 1996 issue of The Trail Less Traveled
Übersetzung: Gabi Dold

Manche sagen, es wäre einfacher einem Pferd  das Sitzen beizubringen, als selbst korrekt aufzusitzen. Das kann ich nur bestätigen. Mein erstes Pferd, Brown Jud, war ein Geschenk meines Nachbarn. Er war ein Vollblutveteran, der in England auf der Rennbahn gelaufen ist. Er maß 1,65m und kam ohne Sattel zu mir.

Meine erste Aufsitzhilfe war ein selbstgebastelter Picnictisch. Als ich endlich einen passenden Sattel für ihn gefunden hatte und die Steigbügel auf meine Körperlänge eingestellt waren, hingen sie gerade mal auf Höhe meiner Schläfen. So und nun war die Reihe an mir, dem Schlangenmenschen. Ich packte mit beiden Händen die Steigbügelriemen knapp über dem Metallbügel, warf meinen linken Fuß in den Bügel hoch und balancierte auf den anderen Zehenspitzen. Mit einem Grunzen kletterte ich wie verrückt an Mähne und Leder nach Oben. Dabei schwang ich mit meinem Kopf unterhalb des linken Knies, während mein rechtes Bein dauernd in seinen Bauch stieß und ich dem Ersticken nahe war... dieses Pferd war ein Heiliger.  

Wenn kleine Menschen tag täglich unter Zuhilfenahme eines Steigbügels, der gerade mal oberhalb ihrer Ohren hängt, auf ein Pferd aufsitzen müssen, werden sie nach Mitteln und Wegen suchen, die ihnen das Aufsitzen erleichtern. Übrigens mein Picnictisch viel auch bald auseinander. Mit 10 Jahren allerdings, hatte ich die Fähigkeit entwickelt, wie die Indianer, auf ein Pferd zu kommen. Mein wunderbares alte Pferd senkte seinen Kopf, damit ich einen Wisch seiner Mähne zu fassen bekam und schon stieß ich mich mit meinem linken Bein kräftig vom Boden ab, um dann in der Mitte des Pferderückens zu landen. Jetzt konnte es losgehen.  

Ich habe auch andere Techniken ausprobiert, die ich allerdings nicht weiterempfehlen möchte. So habe ich zum Beispiel versucht, mich von einem Ahornbaum auf Brown Jug`s Rücken runterzulassen, oder ich versuchte mit einem großen Sprung von einem Heuballen, seinen Rücken zu treffen. Ich probierte auch von Holzstapeln auf ihn zu springen, aber er machte bald während meiner Flugphase einen Schritt zur Seite und das, in Verbindung mit einem sehr hohen Widerrist, ließ mich dann einsehen, dass es wohl angenehmer wäre, mich von einem Nachbarkind über mein Bein hochheben zu lassen. Diese Variante hat mir allerdings am wenigsten zugesagt, da ich mir nie zu 100 Prozent sicher sein konnte, was Pferd oder Helfer, während ich aufsitzen wollte, machen würden.     

Wenn du dein Pferd nicht darauf vorbereitet hast, den Reiter sicher aufsitzen zu lassen, kann das böse Folgen haben. Das soll heißen: Darf dein Pferd während des Aufsitzens umherschlendern oder gar davon gehen? Hast du es nicht ausgesackt und kann es seine Augen nicht schnell wechseln ( siehe den Artikel. "Du musst über das Wechseln des Auges Bescheid wissen")? Falls du dir nicht sicher bist, ob deine Vorbereitung ausreichend war, solltest du jemanden suchen, der dir alles erklären und zeigen kann. Bevor du also nach einem Baumstumpf, einem Felsbrocken oder einem Zaun Ausschau hältst oder jemanden um Hilfe bittest, musst du dir sicher sein, dass dein Pferd auf seine Aufgabe ausreichend vorbereitet wurde. Du musst dein Pferd positionieren können und es muss ruhig und gelassen stehen können, bis du aufgesessen bist.

10 Fehler beim Aufsitzen

1. Stellst du dich seitlich mit Blickrichtung nach vorne neben dein Pferd, solltest du nach Möglichkeit nicht hinter den Hintergurt kommen. In dieser Position würdest du zu spät merken, dass dein Pferd evtl. beschließt, mit dem Hinterbein nach dir zu treten. Ein Pferd kann dich sogar mit seinem Hinterfuß erwischen, selbst wenn du vor seiner Schulter stehst. Genauso ungünstig wäre es aus der Position hinter dem Hintergurt aufsitzen zu wollen. Du könntest nicht effektiv eingreifen, falls dein Pferd nach vorne weg will oder zu bocken beginnt, während du aufsitzt.

2. Du darfst die Zügel nicht als Hilfe gebrauchen, um dich in den Sattel zu ziehen oder um dich daran auszubalancieren. Nimm die Zügel und die Mähne in eine Hand und bleibe mit der anderen vorne am Sattel.

3. Du darfst dich auch nicht mit beiden Händen am Sattel festhalten, um dich so in den Sattel hoch zu ziehen. Du könntest leicht aus der Balance geraten. Falls der Sattelgurt nicht fest genug angezogen ist, würdest du den Sattel zu dir herüber ziehen und möglicherweise mit ihm unter den Pferdebauch rutschen. Nehmen wir an, dass dein Pferd davon laufen möchte, dann wären deine Hände jetzt zu weit von den Zügeln entfernt, welche dir helfen könnten, auf die Füße deines Pferdes Einfluss zu nehmen. Außerdem bekommst du nicht schnell genug Halt an der Mähne, wenn deine Hände hinter dem Sattelhorn sind.

4. In dem Moment, wo du dich seitlich am Pferd hochziehst und sich dein Bein erst noch über den Pferderücken schwingen muss, darfst du dich nicht hinten am Sattel festhalten. Ich sage dir auch warum: 1) Die Basis, die dir vor dem Rüberschwingen hilft und dich unterstützt, sind deine Hände und diese wären in diesem Fall zu weit auseinander. Um das auszugleichen, müsstest du zuviel Gewicht in den Bügel bringen. 2) Du müsstest deine Hand hinten am Sattel loslassen, um dem hinüberschwingenden Bein Platz zu machen. In diesem Moment hast du aber nur noch eine Hand zu Verfügung, um die Balance zu halten, dein Gewicht abzustützen und um Richtung und Geschwindigkeit der Pferdebeine kontrollieren zu können. Würde sich die Situation zuspitzen, sobald du dein Körpergewicht in den Sattel verlagerst, brauchst du deine beiden Hände in einer Position, von der aus du deinem Pferd Orientierung und Unterstützung geben kannst. Somit kann es sein Vertrauen zurückgewinnen und wieder dir seine Aufmerksamkeit schenken.

5. Pass auf, dass du dein Pferd nicht mit dem Schuh in seinen Bauch stößt, wenn du dich hochziehst. Ob du es willst oder nicht - für dein Pferd wäre es die Aufforderung loszugehen.

6. Lass dich auch nicht mit deinem ganzen Gewicht auf den Pferderücken fallen. Wenn du mit dem Gesäß Kontakt bekommst, stellst du dir vor, dass es dein Rücken wäre, auf dem du landest.

7. Bitte niemanden um Hilfe, von dem du nicht sicher weißt, dass er weiß, wie er es sicher und richtig machen muss. Du darfst dein Bein nicht einfach auf Kommando des Helfers in seine Hand legen. Im falschen Moment würde der Abstand zwischen dir und deinem Pferd evtl. zu groß, du könntest Balance und Sicherheit verlieren, würdest möglicherweise noch grob am Pferdekopf reißen, bevor du dann schlussendlich doch abspringen müsstest. Passieren diese Dinge öfters, verliert auch dein Pferd sein Gleichgewicht und Vertrauen.

8. Benutze die Steigbügel nicht wie eine Trittleiter, um abzusitzen. Es sollten beide Füße aus den Bügeln sein, bevor du auf dem Boden aufkommst.

9. Steige auch nicht auf`s Pferd, wenn du Angst hast. Denke an deine Sicherheit und suche dir qualifizierte Hilfe.

10. Glaube nicht, dass man korrektes Aufsitzen binnen ein paar Minuten erlernen kann. Du musst gewissenhaft bei jedem Aufsitzen üben.

 

10 Tips zum Aufsitzen

1. Lerne, wie du dein Pferd vorbereiten und positionieren musst, damit es später beim Aufsitzen ruhig stehen bleiben kann. Wichtig ist, dass dein Pferd auf ein Gefühl von dir warten kann, welches ihm sagt, dass es nun losgehen kann. Wenn du dich hierbei nicht unter Zeitdruck stellst, werden du und dein Pferd schneller zum Erfolg kommen.

2. Bitte einige Leute, dein Pferd zu halten, um ausprobieren zu können, wie du am Besten auf dein Pferd kommst. Du kannst es nicht oft genug üben. 

3. Übe vom Boden aus, die Steigbügel auf beiden Seiten höher und tiefer zu verschnallen. Übe auch vom Sattel aus, wobei dir hierbei allerdings jemand dein Pferd halten sollte. Es gibt eine alte Regel, die besagt, dass man das Pferd von links führt, von links auf- und absitzt. Und eben das ist es - eine alte Regel. Sie ist von überwiegend rechtshändigen Mensche zu deren eigenen Bequemlichkeit aufgestellt worden. Es ist anzunehmen, dass diese Angewohnheit für so manche Einseitigkeit von vielen Pferden mitverantwortlich ist.  

4. Achte auf den Unterschied der Bügellänge, welche sinnvoll ist, um auf ein großes Pferd aufsitzen zu können und die Länge, die effektiv zum Reiten ist.

5. Übe vom Boden und von beiden Seiten, die Zügel so abzulängen, wie es zum Aufsitzen sinnvoll ist. Du musst herausfinden, bei welcher Zügellänge du die Füße deines Pferdes beim Auf- und Absitzen unter Kontrolle hast. Das ist eine Übung, die jeder Reitanfänger, egal wie alt er ist, machen sollte. 

6. Solange du beim Aufsitzen dein Pferd noch physikalisch begrenzen musst, solltest du dich vor dem Aufsitzen mit deinem Körper in Richtung Hinterhand positionieren. So ist es etwas schwieriger, dafür aber auch sicherer. Ich kann dir auch sagen warum: Wenn du dich zur Hinterhand drehst, sodass deine Hüfte in Höhe der Pferdeschulter oder sogar davor ist, befindest du dich in einer besseren Position, um sehen zu können, was passiert. Dadurch bist du vor dem Geschehen. Ein Beispiel: Wir gehen davon aus ,dass du von links aufsitzen willst und dein Pferd vorwärts geht, sobald du deinen rechten Fuß vom Boden abhebst. Aus dieser Position kannst du seinen Kopf viel besser herumnehmen und ihn mit deiner linken Hand festhalten, bis das Pferd wieder steht. Am Horn des Westernsattels oder der Kammer des Englischsattels kannst du dich mit deiner rechten Hand in eine Position ziehen, in der du dein linkes Knie und beide Ellenbogen durchstrecke kannst. Jetzt ist es dir möglich, dein Körpergewicht im Zentrum deiner Arme und Hän
de aufzunehmen, während deine beiden Beine - solange es nötig ist - auf einer Seite deines Pferdes bleiben. Es ist wirklich wichtig, das rechte Bein erst dann rüber zu schwingen, wenn das Pferd ruhig steht.

7. Achte darauf, nicht mit deinem Bein oder Schuh gegen den Körper des Pferdes zu stoßen. Versuche mit deinem Gesäß sanft im Sattel aufzukommen, nachdem dein innerer Oberschenkel zu seiner rechten Körperhälfte Kontakt bekommen hat. Sobald das rechte Bein seinen Platz eingenommen hat, verlagerst du dein Gewicht von Händen und Armen auf deinen Sitz. Wenn du von der anderen Seite aufsitzt, verhält es sich gegengleich. 

8. Übe auch, dein Körpergewicht über dem Widerrist in Armen und Händen aufzunehmen, - ohne dabei auf eine Seite in den Steigbügel zu hängen - um dann wieder die Zehenspitzen aus dem Bügel zu nehmen und dich wieder auf den Boden abzulassen, ohne aufgesessen zu sein. Es kann Situationen geben, in denen dies die weisere Entscheidung ist.

9. Falls dir jemand über das Anheben deines Beines beim Aufsitzen behilflich sein will, solltest du auf Folgendes achten: 1) Dein Knie muss so stark angewinkelt sein, dass es zum Boden einen rechten Winkel bildet. 2) Der Helfer darf seine Hände nicht direkt unter deiner Kniescheibe haben, um dir Aufschwung zu geben. Genauso wenig darf er dich am Oberschenkel oder Fußknöchel stützen wollen. 3) Du musst dein Hüftgelenk blockiert halten, damit der Aufschwung deinen Körper in gerader Linie - über Knie, Hüfte und Schulter - mit nach oben nimmt. Du darfst dich dabei keinesfalls zusammenfalten. 4) Zeitgleich mit dem Schwung musst du dich auf deinem anderen Bein vom Boden abstoßen und so schnell wie möglich, dein Körpergewicht gleichmäßig auf beide Hände über dem Widerrist verteilen. ( Damit unterstützt du deinen Helfer, sodass er nicht dein lebloses Gewicht nach oben anheben muss.) 5) Schwinge dein Bein erst dann über den Pferderücken, wenn Folgendes gewährleistet ist: Dein Pferd muss ruhig stehen, dein Gewicht wird di
rekt über dem Widerrist von deinen ausgestreckten Armen aufgenommen, dein Schritt hat noch keine Verbindung zum Sattel und du schaust zwischen den Ohren des Pferdes nach vorne, während deine Schulter zum Pferdekopf hin ausgerichtet ist. Andernfalls würdest du mit deinem Oberkörper über seinen Rücken fallen und ihm dein Knie oder deinen Fuß in die Rippen oder Lendengegend drücken. Wer weiß, was dann alles geschehen könnte!  

10. Lass dein Pferd jedes Mal nach dem Aufsitzen noch etwas stehen. Es soll sich entspannen. Warte dann immer noch etwas ab, bevor du tatsächlich losgehst. Somit lernt dein Pferd, nicht augenblicklich loszugehen, wenn es den Reiter auf seinem Rücken spürt.

hrs5 1Nimm deine Hand zum Mähnenkamm und drücke so stark wie möglich nach unten auf den Hals, anstatt dich an der Mähne hochzuziehen. Mit der anderen Hand greifst du den Steigbügel und schiebst ihn unter deinen Fuß.       
hrs5 2Greife mit der rechten Hand zum Sattelhorn und stoße dich mit dem rechten Bein vom Boden ab. Kontrolliere hierbei deinen linken Fuß, damit er nicht versehentlich mit der Spitze in den Pferdebauch drückt. Dein Gewicht verlagerst du nun vom Boden auf deine Arme.