19November2019

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5 Schritte um dein Pferd frei und leicht zu führen

Five Steps to Put Float in Your Lead Line

Geschrieben und Fotos von Leslie Desmond, veröffentlich in „The Trail Less Traveled.“ Übersetzung: Reinhold Gössling
 

Wie bleibt das Führseil lose und frei, wenn du dein Pferd führst?

Antwort: Gib deinem Pferd zum richtigen Zeitpunkt Freiheit und dein Pferd lernt, am durchhängenden Führseil zu gehen. Eines Tages wird dann dein Pferd so weit sein, daß du es auch am durchhängenden Zügel reiten kannst, genau so, wie du es vorher leicht und locker geführt hast.

Hier sind die 5 Schritte, mit denen du dein Pferd dahin bringen kannst, das Führseil frei, lose und durchhängend zu akzeptieren ohne daran ziehen zu müssen.

Erster Schritt       

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Tim schickt Fushi mit durch-hängender Longe rechts herum. Seine Nase zeigt genau in die Richtung in die er geht und seine Kinnbacke ist nach außen gedreht.

Stehe zwischen Schulter und Kopf. Fordere dein Pferd auf, seinen Kopf in deine Richtung zu drehen indem du das Führseil straffer nimmst. Dreht sich der Kopf, dann gib sofort nach. Bewegt das Pferd anstatt des Kopfes die Beine, auch kein Problem. Mit der Hand, die am nächsten zum Pferdekopf ist, halte dich am Sattelknauf fest, und bleibe in dieser Position, bis die Beine wieder still stehen. Dann fordere nochmals auf, den Kopf in deine Richtung zu drehen, solange, bis das Pferd verstanden hat – und laß dann sofort den Druck des Führseils nach.

Möglicherweise muß dein Pferd zu Anfang einige Zeit darüber nachdenk

en, ehe es versteht, daß es sich selbst Freiheit verschaffen kann, indem es deiner Aufforderung folgt. Aber genau darauf kommt es an: Dein Pferd muß lernen, daß es sich durch Nachgeben eine Erleichterung verschaffen kann. Achte gut darauf, daß du nicht nachgreifst und wieder Druck über das Führseil erzeugst, sonst gibst du ihm gegenteilige Signale. So aber lernt dein Pferd: Nachgeben bedeutet: Der Druck läßt nach und es entsteht ein angenehmes Gefühl. Du hast dein Pferd ausgetrickst und hast gewonnen.    

Hast du erreicht, daß dein Pferd nachgibt, dann kannst du auch nachgeben und dein Pferd wieder ganz frei geben, damit es seinen Kopf und Hals wieder gerade strecken kann. Achte darauf, daß es ausatmet, seine Lippen leckt und kaut. Das sind gute Hinweise darauf, daß ihr beiden einer Meinung seid. Sobald dein Pferde richtig reagiert, mußt Du sofort den Druck wegnehmen, das ist ganz wichtig. Schon bald wird dein Pferd dir seinen Kopf in eine Richtung willig geben und dabei ruhig stehen bleiben.

 

Zweiter Schritt

7f61a4c82fKaity schickt Gunner in eine neue Richtung weg. Das Seilende wechselt auf die linke Seite über, ehe Gunner nach rechts geht. Achte auf Kaitys Hand die zum anhalten auffordert.   

Während dein Pferd, so wie beschrieben, seinen Kopf zur Seite hält, schau auf den Bauch des Tieres und fordere es auf, die Hinterbeine übertreten zu lassen. Mit der Hand, die dem Schweif näher ist, gibst du ihm dabei die richtigen Signale. Nimm den Steigbügel in die Hand und klopfe damit gegen seine Seite, direkt hinter dem Gurt, so als ob du im Sattel säßest und den Unterschenkel benutzen würdest. Du möchtest, daß dein Pferd seinen inneren Hinterfuß hebt und unter seinen Bauch quer vor den äußeren Hinterfuß setzt. Der innere Fuß kreuzt vor dem äußeren. Sofort, wenn dein Pferd auch nur andeutet, daß es das machen will, mußt du mit dem Druck des Steigbügels aufhören.

Wenn dein Pferd aber hinter den äußeren Fuß kreuzt, sich wieder auf den gleichen Fuß stellt, oder rückwärts tritt, dann fang ganz ruhig wieder von vorne an. Ändere nichts und halte seinen Kopf weiterhin zur Seite und fordere weiter auf, den inneren Hinterfuß vor den äußeren Hinterfuß zu kreuzen. In dem Augenblick, wo dein Pferd das tut, laß mit dem Druck durch den Steigbügel nach, aber halte den Kopf so lange zur Seite bis dein Pferd selbst nachgibt und wie bei Punkt eins in deine Richtung schaut. Dann nimm auch hier sofort den Druck weg.

Gib deinem Pferd Zeit, laß sich alles setzen. Mache dann diese Übungen auf beiden Seiten und gib dich zu Anfang mit kleinen Erfolgen zufrieden. Achte auf die beiden Zeitpunkte, wann du mit dem Druck nachlassen mußt:

1. wenn die Füße sich bewegen,

2. wenn der Kopf freiwillig zur Seite kommt.

Wichtig: Denk daran, nicht einfach nachgeben, nur weil dein Pferd seine Hinterhand richtig bewegt. Das wird dein Pferd ermutigen, sich im Genick und Hals festzumachen und wird die Voraussetzung schaffen, eines Tages mit dir durchzugehen um seine Freiheit zu finden. In einer solchen unglücklichen Situation wird es dann so sein: Je fester du ziehst, je schneller wird dein Pferd rennen.

Versuche auch nicht dein Pferd zu dressieren, sonst wird es anfangen deine Übungsstunden langweilig zu finden oder gar zu fürchten. Ihr müßt euch bei diesen Übungen unterhalten, durch Körpersprache unterhalten. Diese Zeit, die ihr zusammen verbringt, sollte für dein Pferd immer interessant sein und ihm seine Aufmerksamkeit abverlangen. Aber auch du achte darauf, was dein Pferd dir sagt: Ohrenspiel, Maulfalten, Schweif schlagen, gesenkter Kopf, Lippen lecken, all das ist die Kommunikation deines Pferdes.

a14e738a4dSarah zeigt ihrer Freundin wie man auf sein Pferd hinter der Schulter zugeht, damit es die Hinterhand von rechts nach links bewegt.

Dritter Schritt

Fange im Schritt an, dein Pferd in einem Kreis zu bewegen. Du stehst dabei quer zum Pferd, etwas weiter entfernt als bei der letzten Übung. Mit der Hand, die näher zum Schweif ist, läßt du mit dem Führseil die Hinterhand weichen. Gehe bei deinem Pferd genau auf die Stelle zu, wo der Schenkel beim Reiten einwirkt und schwinge das Ende des Führseils. Ist es ein sensibles Pferd, dann schwinge nur das Ende in Richtung auf die Stelle, wo du normalerweise den Schenkel einsetzt. Das wird dein Pferd ermutigen seine Hinterhand von dir weg zu bewegen, wenn du seine Nase in Richtung Mitte des Kreises führst.

Wenn dein Pferd dir mit der Hinterhand Platz macht – die Hinterhand ist die Waffe des Pferdes - dann hat es gelernt dich zu respektieren. Timing ist wichtig: Gib immer dann Druck, wenn das innere Hinterbein (das dir zugewandte Hinterbein) gerade abfußt. Nur in diesem Augenblick kann dein Pferd deiner Aufforderung nachkommen und es kann dir folgen. Ist das Hinterbein schon angehoben, kann dein Pferd die Richtung und die Weite des Schrittes nicht mehr verändern.

Vierter Schritt

Jetzt machst du einen Handwechsel aus der Bewegung. Dazu wechselst du zunächst deine Hände am Führseil und forderst die Vorhand auf, herüber zu kommen, förmlich auf dich zu, dann aber vor dir an dir vorbei zugehen, so daß dein Pferd nun auf deiner anderen Seite steht. Jetzt machst du auf dieser Seite die gleiche Übung. Zu Beginn wird dein Pferd vermutlich deine Hilfe brauchen, um das alles zu verstehen. Das Pferd soll lernen, auch seine Vorhand von dir weg zu bewegen, wenn du auf seine Schulter zugehst.

Wenn du die Hand wechselst, denke daran, daß deine Führhand jetzt die neue treibende Hand ist. Die neue treibende Hand gibt die Energie und weckt das Interesse deines Pferdes. Achte darauf, das dein Pferd seiner Nase folgt und nicht über die Schulter herein fällt. So etwas passiert meistens, wenn du dein Pferd auf dem neuen Zirkel rechts herum führen willst. Es muß erst seine Nase und seine Vorhand von der linken Seite weg bringen, ehe es sich in die neue Richtung biegen kann.

Die Bewegung wird erst etwas ungehobelt und holprig sein bevor dein Pferd versteht, wer wem Platz machen muß. Ihr werdet beide daran arbeiten müssen bis es zwischen euch offensichtlich und klar ist, daß die Zeiten vorbei sind, wo du um dein Pferd herum gegangen bist, weil es dir keinen Platz machte. Kannst du dir vorstellen, wie dein Pferd innerlich grinst, wenn es stehen bleiben darf und du mußt drum herum laufen? Genau das aber soll anders sein. Dein Pferd weicht vor dir und zwar mit seiner stärksten Waffe, seiner Hinterhand, muß es weichen. Dann hast du gewonnen und du kannst jetzt weiter machen, dein Pferd mit dem Ende deines Führseils an der Schulter zu unterstützen, die Vorhand zu kreuzen. Bereite es immer erst darauf vor, ehe du es aufforderst seine Nase in die neue Richtung zu strecken.

Fünfter Schritt    

90ad0073a6Die 5 jährige Anna führt am losen Führseil, aber die Rundung in Lukes Körper ist nicht mit herum gekommen. Er geht nach links, aber biegt sich nach rechts.    

Wenn dein Pferd das alles willig macht, fordere es auf kraftvoller zu gehen, immer seiner Nase folgend, die in die neue Bewegungsrichtung zeigt. Jedesmal, wenn dein Pferd am Führseil nachgibt, dann gib auch du ein Stückchen nach. Warte ein halbes Dutzend Schritte ab, ehe du dein Pferd erneut aufforderst. Mit der Zeit wird es das lose Führseil abfragen und es wird sich selbst tragen, in einem sanften Bogen von der Nase bis zum Schweif. Es kann sein, daß es sich zunächst nach links biegt, wenn es nach rechts geht und umgekehrt. Das ist eine eingefleischte Verhaltensweise vieler Pferde, die häufig auf dem Reitplatz oder in der Halle auf gerader Linie gearbeitet wurden und häufig in Gruppen Anfänger im Schulbetrieb herumgetragen haben.

Diese Außenstellung solltest du korrigieren, um dein Pferd am losen Führseil führen zu können. Es soll förmlich deiner führenden Hand folgen. Wenn es seinen Kopf wieder zur Außenseite zurückwirft, so ist das nicht schlimm. Deine Aufgabe ist es nicht, dein Pferd zu bestrafen, sondern ihm zu helfen, daß seine Nase ganz leicht deiner führenden Hand folgt und daß sein Körper seiner Nasenspitze schön folgen kann.

Sobald diese Übungen im Schritt problemlos funktionieren, kannst du in einen schnellen Schritt, später in Trab übergehen und letztendlich auch im Galopp dein Pferd am losen Führseil lenken. Wer die Bodenarbeit beherrscht, wird den gleichen Erfolg auch im Sattel haben. denn die Beziehung zu einem Pferd wirst du immer nur vom Boden aus aufbauen können.

Warnung: Verwechsele nicht ein loses Führseil mit einem schlaffen Führseil: Ein schlaffes Führseil, oder ein schlagendes und schwingendes Führseil, das sich verdreht und verwickelt, sich um dein Handgelenk schlingen oder um deine Fußknöchel wickeln kann, kann lebensgefährlich für dich sein. Sei daher vorsichtig und aufmerksam.